Mirco Limpinsel: WAS IST ORGANISCHE ARCHITEKTUR?
Zur Topik und Semantik eines mehrdeutigen Begriffs

Organismus Cover 24092018

Organismus ist in der Architektur nicht erst ein Thema, seit die organischen Funktionalisten ihn zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Grundlage für ein eigenes Stilprogramm ausgerufen haben. Bereits im 19. Jahrhundert wird er, als ultimatives Modewort der Zeit, überall im Munde geführt, wo gute, gelungene Architektur beschrieben wird. Was damit allerdings genau gemeint ist, bleibt unklar. Das Buch unternimmt daher den Versuch, die Redeweise vom Organismus in die Architekturtheorie einzuordnen. Es gliedert sich in zwei Teile: Zunächst wird die Frage diskutiert, was Organismus in der Architektur eigentlich ist: Ein Begriff? Eine Metapher? Die Antwort lautet, man hat es mit einem Topos zu tun, mit einem positiv bewerteten Stichwort, das relativ unabhängig von konkreten Bedeutungsgehalten dazu verwendet werden kann, die eigene Position zu stützen. In einem zweiten Teil wird diese Funktion anhand architekturtheoretischer Texte vor allem des 19. Jahrhunderts demonstriert. Der Band versteht sich als Einführung in die architektonische Organismussemantik und als Beitrag zur Frage, wie man Topoi als Analysegegenstand konzipieren und analysieren kann.

Dr. phil. Mirco Limpinsel, geboren 1980 in Braunschweig, studierte Literaturwissenschaft, Musikwissenschaft und Philosophie in Gießen und Berlin. Er forscht unter anderem zur Hermeneutik und zu Rhetorik und Topik in den Wissenschaften, zum deutschen Schlager und zur Digitalisierung. Zuletzt erschienen ist das Buch Angemessenheit und Unangemessenheit. Studien zu einem hermeneutischen Topos (Berlin 2013).

 

Gerd de Bruyn: Erlenbruch. Ein Rockermärchen

Mit Zeichnungen von Alexander Misch

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Umfangreich wie ein Roman ist diese kuriose Erzählung über das bewegte Leben eines Taugenichts, der in den frühen 1970er Jahren aus dem kleinbürgerlichen Mief des Elternhauses ausbricht und an nichts anderes mehr denkt als so rasch wie möglich an ein Motorrad zu kommen, um von den Bones, einer Frankfurter Rockergang, aufgenommen zu werden. Dass er früh von der Schule fliegt, ist der Sache nur förderlich. Zeitweise lebt er in besetzten Häusern oder unter freiem Himmel, wenn er mit dem Bike unterwegs ist. Seine Abenteuer spiegeln Zeitereignisse, die Menschen, denen er begegnet, stammen aus den unterschiedlichsten Milieus. Auch die Bones sind selbstverständlich ein “mächtiges Häuflein“. Als ihr Machthunger immer größer wird, macht sich unser Held selbständig, wählt den Rang eines “Nomad“ und unternimmt lange Reisen. Da alles frei erfunden, außerdem reichlich unrealistisch ist und gut ausgeht, handelt es sich um ein Märchen und nicht um einen Roman.