Gerd de Bruyn liest in der Buchhandlung Schutt

in Frankfurt am Main am 4. November 2017

Ein Abend mit Geschichten aus Bornheim & Musik

Wo: Im Antiquariat der Buchhandlung Schutt
Beginn: 20:00 Uhr
Eintritt: frei

denken: body, sprechen: poe (2010)
Lustige Reime aus: “Tag für Tag“
George Gershwin: Andante con moto e poco rubato, aus: Preludes for Piano
                                                                                                                         

Der Hausfreund (begonnen 2016)
Das Land wo die Zitronen blühn“ und andere Kurzgeschichten
Frédéric Chopin: Prélude Nr. 13 in Fis-Dur, au:s 24 Préludes op. 28
Alexander Skrjabin: Prélude Nr. 2 in a-moll, aus: 24 Préludes op. 11  

Das mächtige Häuflein (2016)
Kapitel 4, 5
Modest Mussorgskij: Il Vecchio Castello, Promenade
Kapitel 8, 15
Erroll Garner: Gaslight

Neues aus Liliput (2016)
“selbstporträt“ u. a. Gedichte
Erik Satie: Sonatine bureaucratique            

Buchhandlung Schutt, Arnsburger Str. 76, 60385 Frankfurt am Main

Um Voranmeldung zur Lesung unter der Telefonnummer 069/435173 oder per E-Mail an info@buchhandlung-schutt.de wird gebeten.

Die Frankfurter Neue Presse vom 13. Juli 2017 schreibt:

Organistin unerwünscht

Ein Büchlein über gescheiterte Jazz-Liebhaber

von Dierk Wolters

„In der Erzählung „Das mächtige Häuflein“ führt Gerd de Bruyn mitten hinein ins Frankfurter Nach-68er-Milieu der frühen 80er Jahre. Was ist das für eine seltsame Gesellschaft, die wir da kennenlernen? Teste, der ein Wasserhäuschen gepachtet hat, Bruns, ein Künstler, und Traudel, die sich ihm als Freundin andient, was nicht ganz unproblematisch ist, weil Traudel nämlich Organistin ist, und das ist verpönt im Kreis. Verpönt, weil man den Jazz schätzt, darauf hält man sich etwas zugute, immerhin war Frankfurt einmal Deutschlands Jazzhauptstadt, zumindest in den 50er Jahren war das so, und auch noch in den 60ern und ein bisschen in den 70ern. Aber da wurde es auch schon mau, und von der großen Tradition war nicht mehr ganz so viel zu spüren.

Kein Grund für „das mächtige Häuflein“, wie Autor Gerd de Bruyn seine überschaubare Darstellertruppe benamt, diese ehrwürdige Tradition, die irgendwie intellektuelle Exklusivität verheißt, nicht weiterzuführen. Ums Anders-Sein nämlich, ums Nicht-Mitschwimmen im Strom des Kapitalismus, ums genussvolle Ausscheren, um einen alternativen Lebensentwurf ist es dem Häuflein zu tun, wobei das Alternative nicht demonstrativ zur Schau getragen wird, sondern sich in eher leise resignativ gelebten Details wie eben der Liebe zum Jazz äußert. Die aber ist dann nicht verhandelbar: Organistin, das geht gar nicht, und dann auch noch bayerischer Herkunft – mehr als heikel. Gerd de Bruyn erzählt in kurzen Kapiteln Episoden aus den Lebensläufen des Häufleins, vom Beziehungs-Hin-und-Her und vom traurigen Stolz darauf, zu den letzten Aufrechten zu gehören. Er erzählt es historisierend, so wie einen Rückblick in ein vergangenes Zeitalter, mit aller Wehmut, die dazugehört, denn der Erzähler war offensichtlich einer, der auch einmal zum „Häuflein“ gehörte, aber auch mit einer gelegentlich ins Gehässige kippenden Ironie.

Mit der „Gelehrtenrepublik“ beispielsweise, über die der Erzähler anfangs zu schreiben verspricht, ist es nämlich nicht weit her. Der Wasserhäuschenbesitzer, der Künstler und ihre wechselnden Frauen (Isolde, Ruth, Elisabeth . . .) sind mitnichten die gedanklichen Alles-Durchdringer, als die sie einmal angetreten waren. Ihre alternativen Lebensentwürfe sind in Wahrheit prekär bis trist. Sie sind „auf gewisse Frankfurter Herrschaften schlecht zu sprechen, die in den späten Achtzigern politisch Karriere machten und in höchste Regierungsämter aufstiegen“, wie der Erzähler mitzuteilen nicht versäumt. Wie mit einem Raumschiff nähert sich der 1954 geborene Autor, der heute in Stuttgart lebt, übrigens Literatur- und Musikwissenschaften an der Goethe-Universität studierte und anschließend die Architekturklasse der Städelschule besuchte, dieser eigenartigen „Zeit des Übergangs, als es in Frankfurt weniger hektisch zuging“, fliegt über die Taunushänge, um schließlich mitten in Bornheim zu landen und sich dort umzutun. Und nachdem dies vollbracht ist, fliegt er ebenso unversehens wieder davon: in einer Spaß- und Spuk-Volte, die das Personal, das er hinter sich lässt, wie ein Relikt aus einer anderen, endgültig vergangenen Zeit zurücklässt. Nichts bleibt als eine gespenstische Erinnerung.“

 


 

Die Frankfurter Rundschau vom 6. Dezember 2016 schreibt:

„Borniertes Frankfurter Biedermeier

Gerd de Bruyns Milieustudie „Das mächtige Häuflein“ führt in und prekäre Verhältnisse vor

Von Christian Thomas

Kein Mensch, der nicht restlos durchschaut wird. Das gilt auch für Frankfurt, dessen Vedute bereits auf den ersten beiden Seiten, noch aus der Fernsicht auseinandergenommen wird wie in einer garstigen Glosse. Auch dabei bleibt es nicht, denn Gerd de Bruyns „Das mächtige Häuflein“ ist als Erzählung gedacht. Aber auch damit hat es kein Bewenden, denn das Büchlein ist in weiten Teilen so etwas wie eine bitterböse Milieustudie der Frankfurter Szene der achtziger Jahre, Jazz-fixiert, mit einem obendrein stark Bornheim-zentriertenWeltbild. De Bruyn, der diese Welt in den 80er und 90er Jahren kennengelernt hat, bevor er als Professor der Architektur nach Stuttgart berufen wurde, stellt dieses Häuflein nun allerdings alles andere als mächtig dar. Das ist die pure Ironie! Sie gilt dem Wasserhäuschenpächter Teste, dem Dioramenbauer Bruns, sie gilt der Organistin Traudel, der schönen Isolde, dem schwulen Erwin – sie gilt einer „Gelehrtenrepublik“, was eine Anspielung ist, allerdings auch eine Lebenslüge offenbart. Führt doch de Bruyns Studie ein Milieu vor, das, bürgerlichen Existenzweisen gegenüber zutiefst kritisch, aus einer Gemeinschaft der Scheiternden besteht. Aus einer Notgemeinschaft, einer Nischenexistenzgemeinschaft. Lesern ist das vertraut aus Eckhard Henscheids „Trilogie des laufenden Schwachsinns“. Zum ganzen Drumherum (der Welt) steht man als Nörglernatur, als Missmutbürger steht man im Leben.

Das Buch führt in und prekäre Verhältnisse vor. Man zehrt vom Schwadronieren, hält es mit den Outlaws in Literatur und Musik, mit den Vertretern einer unmoderaten Moderne, was, sofern sich nicht ein drastischer Szenejargon ausspricht, in einem altväterlichen Ton erzählt wird. Der Modernefuror gründet in romantischen Reminiszenzen. Auch dabei bleibt es nicht, denn nicht nur wegen vieler Verweise (Guy Debord, Chet Baker, Buckminster Fuller, Jean Paul) oder einer (echt heiklen) Anspielung auf Paul Celan, legt der Erzähler einen enervierenden Bescheidwisserton an den Tag. Soll heißen: Die Erzählung kippt immer wieder in die Erklärung. Erklärtermaßen geht es um alles andere als nur das humorvolle Hochnehmen einer „ärmlichen Lebensführung“ in einem wahrhaftig unheimlich antibürgerlichen Biedermeier.“

 


Kundenrezension bei amazon zu Gerd de Bruyn:
„Das mächtige Häuflein”

Von Kabau52 am 20. Oktober 2016
Ein geistvolles und witziges Buch, das sich irgendwo zwischen Eckhard Henscheids “Vollidioten” und Frank Witzels RAF-Erfindungsroman aufhält. Kleines Format über eine der zahllosen kleinen ideologischen sozialen Nischen der 70/80er Jahre, wo sich zeitgeistbewegte, mit kritischer Theorie geschmückte akademische Jugend zwischen Baum und Borke, also im Schattenreich selbstgewählter prekärer Existenzform, bewegte. Spielt im Frankfurter studentischen Milieu unter kritischen Nichtkämpfern mit erhaben-mönchischen Haltungen, aber auch schwachbrüstigen libidinösen Eroberungsversuchen. Der Autor scheint irgendwie drin zu stecken und hat auch Distanz. Liest sich glatt weg, bleibt auf dem Teppich und ist für Liebhaber der Post-68er-Generationen-Romantik unbedingt zu empfehlen.

Kundenrezension bei amazon zu Gerd de Bruyn:
„Neues aus Liliput”

Von Kabau52 am 25. Oktober 2016

Habe mir nach der Erzählung “Das mächtige Häuflein” auch den Gedichtband von Gerd de Bruyn gekauft und finde den, obwohl ich dem “Häuflein” schon fünf Sterne gab, fast noch besser. Das ist wie eine Mischung aus Wilhelm Busch und spätem Ernst Jandl. Eine kuriose Gemengelage aus hoher Ambition mit oft sehr trivialen Ausgängen. Aber das scheint gewollt, so als würde man im Schlamm stehen und zu den Sternen aufblicken. Alles in einem schwer zu beschreibenden Ton aus Bräsigkeit, hartem Reimschema und anzüglichen Blitzlichtern. Irgendwie: moderne Gartenlaube.
Das Reimen erfolgt nach dem Motto “Reim dich oder ich fress’ dich”, was in seiner Konsequenz kuriose Sinn- und Themenumschwünge von einer Zeile zur anderen erbringen kann. Themen gehen von ziemlich klein bis ganz klein, wenngleich immer mal ein großer Name oder Begriff fällt. Gewitzt, teils bösartig, knatternd, dann wieder ganz lieb und rührend. Zwischen den Gedichten, bei den Kapitelwechseln, sind farbige Kreidezeichnungen des Autors abgedruckt. Dazu ein Lesebändchen – also auch ein schönes Buch.

Kundenrezension bei amazon zu Gerd de Bruyn:
„Das artemisianische Prinzip”

am 13. Februar 2015
Das „Artemisianische Prinzip“ gehört zu jener Art von Büchern, die deshalb so anregend sind, weil sie sich nicht ohne weiteres einordnen lassen. Die Bezeichnung Romanessay macht deutlich, dass einerseits eine amüsante Geschichte erzählt, andererseits eine bedenkenswerte kulturwissenschaftliche These vertreten wird. Das Eine lässt dabei das Andere anschaulich werden. So gibt das Buch zu denken, und zugleich macht der schillernde Facettenreichtum die Lektüre zum Vergnügen.

Lesung

Bachwolf von Schenemar – DASISTAL

Georg Maag liest aus dem Werk eines imaginierten Autors

Mittwoch, 7. Dezember 2016, 19:00 Uhr  – 20:00 Uhr
Einlass 18:00 Uhr

Ort:
Villa Leon
Philipp-Koerber-Weg 1
90439 Nürnberg

Eintrittspreis:
7.00 €

Veranstalter:
Pegnesischer Blumenorden e.V., Nürnberg